Das erfolgreiche Duo Günther/Kohnagel im Gespräch

Ein großes Etappenziel ist erreicht. Mit dem Einzug in das Final Four hat die B-Jugend nicht nur ihr Anfang des Jahres gestecktes Minimalziel erreicht, damit kommt auch die jahrelange, zielgerichtete Arbeit von Mannschaft und Trainerteam zu ihrem vorläufigen Höhepunkt.

 

Dieser herausragende Erfolg, der vor allem auch dem Duo Paul Günther und Kirsten Kohnagel zu verdanken ist, und die Tatsache, dass Cheftrainer Günther den Verein nach dem Final Four verlassen wird, führt bei vielen dazu, dass man sich an die Anfänge der Mannschaft und der Zusammenarbeit der beiden zurück erinnert. Wir sprachen im Vorfeld des letzten Spieles der Viertelfinalserie beim VfL Günzburg mit ihnen.

 

Kirsten und Paul, erst einmal herzlichen Glückwunsch zum Erreichen des Final Four und dem damit verbundenen Startrecht in der A-Jugendbundesliga im nächsten Jahr. Paul, du hast den Kern der Mannschaft vor 5 Jahren mehr oder weniger als Notfallhelfer übernommen. Der damals vorgesehene Trainer hat den Verein kurzfristig zusammen mit ein paar Mädels verlassen und Du bist wie so häufig in deiner Zeit bei der wJSG Bad Soden/Schwalbach/Niederhöchstadt eingesprungen. Erinnerst Du Dich noch an diesen Moment?

Paul: „Meine damaligen Gedanken gingen dahin, dass ich dies wirklich nur ein Jahr zur Überbrückung mache und habe den damaligen Abteilungsvorstand auch direkt darum gebeten, für die nächste Spielzeit einen neuen Trainer zu suchen. Mit dem Gewinn der Hessenmeisterschaft des 1997/98-iger Jahrgangs war für mich das Thema Jugendtrainer in Bad Soden eigentlich beendet. Gott sei Dank ist es anders gekommen...“

 

Kirsten, Du bist seit 4 Jahren als Mannschaftsverantwortliche dabei. Wie kam es dazu?

Kirsten Kohnagel

Kirsten: „Für mich ziemlich überraschend hat Paul mich damals gefragt, ob ich die Rolle der weiblichen Betreuerin in dem Team übernehmen würde. Ich war sehr unsicher, schließlich komme ich vom Basketball und wusste nicht so genau, was auf mich zukommt. Paul kannte ich bis dahin vor allem als sehr emotionalen Coach an der Seitenlinie, hatte aber schon ein Jahr verfolgen können, mit welch außerordentlich großem, persönlichen Engagement er die Mädels trainiert hat. Nach dem „go“ meiner in der Mannschaft spielenden Tochter habe ich mich dann auf das Abenteuer eingelassen. Natürlich hat niemand geahnt, dass das in einer so intensiven Zusammenarbeit enden würde. Ich lobe Paul ja wirklich sehr sehr ungerne, aber da hat er mal wieder ein gutes Bauchgefühl gehabt...“

 

Habt ihr von Anfang an geahnt, wieviel Potenzial in dieser Mannschaft steckt?

Paul: „ Man konnte bei den Mädels, als sie noch D-Jugend spielten, ein gewisses Talent erkennen. Aber bekanntlich reicht Talent alleine nicht aus. Als ich die Mädels in dem „Übergangsjahr“ trainieren und betreuen durfte, konnte man erkennen, dass neben dem Talent auch eine ungeheure Hingabe zu ihrem Hobby vorhanden war. In diesem Jahr kam auch erstmals der Gedanke bei mir auf, dass wir hier eine, wie man immer so schön sagt, „goldene Generation“ aufbauen können.“

 

Kirsten: „ Für mich sind hier ein paar Dinge zusammengekommen, die schwer replizierbar sind und unbedingt zum handballerischen Talent dazu kommen müssen. Zum einen Paul, der nicht nur ein sehr guter Trainer ist, sondern für die Mädels gelebt hat und IMMER da war für sie, egal was es war. Vor allem auch dann, wenn es darum ging, ihren unersättlichen Drang nach Trainingseinheiten zu erfüllen. Dazu hat er sie noch durch zum Teil echt turbulente Zeiten der Pubertät begleitet. Und dann sind da noch die Mädels, die immer fokussiert waren, perfekt Schule und Leistungssport in Einklang gebracht haben und sich - fast wie ein Wunder ;-) - so gut wie nie gegenseitig angezickt haben. Auch wurden in den folgenden Jahren neue Spielerinnen nahtlos integriert. Nicht zu vergessen die Eltern, die seit Jahren bis zu 6 Mal wöchentlich zum Teil sehr lange Strecken nach Bad Soden fahren.“

 

Fragt man die Mädels und die Eltern, dann sagen sie auch, dass vor allem der außergewöhnliche Zusammenhalt und der große Teamgeist in dieser Mannschaft ein maßgeblicher Erfolgsfaktor ist. Sie nennen sich selbst eine „Familie“. Wie habt ihr das hinbekommen?

Paul Günther

Paul: „In erster Linie sind die Mädels selbst dafür verantwortlich, dass der Zusammenhalt und Teamgeist so sehr ausgeprägt ist. Jedes Mädel wertschätzt die andere. Das war Kirsten und mir sehr wichtig, aber auch, dass es den Mädels auch außerhalb der Halle gut geht. Dadurch haben wir eine sehr große Vertrautheit untereinander entwickelt. Und dadurch kam natürlich auch ein sehr hoher „Wohlfühlfaktor“ zustande. Natürlich sind auch unsere gemeinsamen Aktivitäten ein Faktor. Ich denke da an unsere Turnierteilnahmen an den Osterfeiertagen in Tschechien oder Dänemark, wo nicht nur die Spielerinnen dabei gewesen sind, sondern ausnahmslos auch deren Eltern. Das z.B. hinterlässt doch immer ein Gefühl der „großen Familie“! Überhaupt engagieren sich unsere Eltern weit über das normale hinaus. Siehe aktuell die  Zusage für das Final Four, welches in Bad Soden stattfindet. Wenn man mitbekommen hat, wie Sabine, Karsten und Tom zwischen den Spielen beim IBOT Turnier immer wieder die Köpfe zusammen gesteckt haben und innerhalb kürzester Zeit die erfolgreiche Bewerbung zum Final Four geschrieben haben, für mich ist dies einfach nur sensationell. Oder beispielsweise die Orga unseres Heimspielwochenendes. ALLE Eltern packen mit, helfen machen und tun. Dies ist in der Form schon sehr außergewöhnlich. Meinen Dank an die Eltern kann man gar nicht in Worte packen. Natürlich gibt es noch sehr viele andere Faktoren; die würden diesen Rahmen jetzt aber sprengen J.“

 

Kirsten: „Paul hat mich immer wieder an den Spaßfaktor erinnert und ermuntert, Events zum Teambuilding außerhalb der Halle zu organisieren. Das war ihm sehr wichtig und dafür hat er auch sehr viel seiner Freizeit aber auch Trainingszeit „geopfert“. Ganz wichtig ist aber auch der gewachsene Zusammenhalt unter den Eltern. Dass hier soviele Freundschaften entstehen, ist sicherlich auch nicht normal und macht viel aus.“

 

Wir bezeichnen uns gerne als „Dorf“- oder „Pommes-Bratwurst-Verein“. Jetzt steht ihr als einzige Mannschaft ohne angeschlossenem Handball-Internat oder einer Damen-Bundesligamannschaft im Rücken im Final Four. Wie kommt das?

Kirsten: „In der Tat sind unsere Ausgangsvoraussetzungen alles andere als günstig. Wir mussten immer wieder um Hallenzeiten kämpfen oder uns diese mit anderen Mannschaften teilen. Auch finanziell ist es knapp und ohne den Einsatz der Eltern wäre vieles nicht möglich. Trotz allem hat der Verein es geschafft, sich für den Mädchen Handball sehr gut aufzustellen. Ein Beispiel ist die Verpflichtung von Christian Weilbächer als Athletiktrainer, der mit seinem professionellen Kraft- und Hanteltraining einen großen Anteil daran hat, dass unsere Mädels mit so viel Ausdauer und Körperstabilität in die Spiele gehen können. Auch haben wir uns wieder mit Birgit Zmrhal, einer anerkannten sportpsychologischen Expertin für den Leistungs- und Spitzensport, mental auf die Deutsche Meisterschaft vorbereitet. Wir sind in unserer Region absolut führend, was die gezielte Förderung des weiblichen Handballsports angeht. Wenn ich mir unsere Jugendmannschaften anschaue, bin ich auch sicher, dass unsere Final Four Teilnahme keine einmalige Sache bleiben wird. In vielen jüngeren Teams steckt ähnliches Potenzial wie bei unseren Mädels damals.“

 

Paul: „Solch ein Erfolg kann nur zustande kommen, wenn man weit über das normale persönliche Engagement hinaus geht. Die Eltern unserer Spielerinnen haben sich wo es nur geht mit eingebracht und uns sehr viel ermöglicht. Ein weiterer, der sicherlich größte Faktor für die Mannschaft und mich, ist mein „Büro“. Ohne Kirsten wäre das alles nicht zu stemmen gewesen. Kirsten hat sich wirklich aufgeopfert. Dadurch, dass die wJSG wirklich ein sehr kleiner Verein ist, kann man diesen Erfolg gar nicht hoch genug werten.“

 

 

Zum Abschluss steht jetzt das Final Four an: Was habt ihr Euch zusammen mit den Mädels vorgenommen?

Paul: „ Als wir vor der Saison mit den Mädels unsere Ziele für die Saison 2016/17 definiert haben, war es mein Ziel, Deutscher Meister zu werden. Mit dem Einzug in das Final Four sind wir dem wieder ein Stück näher gekommen. Und nachdem wir kürzlich die freudige Mitteilung bekommen, dass wir es bei uns austragen dürfen, können wir auf unseren Heimvorteil bauen. Aber vorher steht erst noch das letzte Gruppenspiel in Günzburg an. Die Günzburger haben auch ein einmaliges Heimspielwochenende verdient, daher werden wir dies mit aller Ernsthaftigkeit angehen und werden unseren Teil dazu beitragen. Nach dem Spiel widmen wir uns dem Final Four.“

 

Kirsten: „Das übergeordnete Ziel der Mannschaft war zunächst das Erreichen des Final Fours. Jetzt werden wir uns mit der Mannschaft erneut zusammensetzen und die Zieldefinition verfeinern. Wir arbeiten seit zwei Jahren mit den Mädels regelmäßig in Workshops auch außerhalb der Halle und haben sehr gute Erfahrungen damit gemacht. Hier profitieren wir davon, dass wir mit Jutta Schultejans und mir zwei ausgebildete Coaches und Trainerinnen im Bereich Teambuilding und Führungskräftetraining in der Elternschaft haben. Da konnten die Mädels enorm von profitieren, und es macht ihnen zudem großen Spaß.“

 

Das Schlusswort geht an Paul. Gibt es etwas, was Du vor Deinem Wechsel zur TSG Oberursel noch loswerden möchtest?

Paul: „In Bad Soden wurde die letzten Jahre einiges bewegt und viele guten Dinge sind auf den Weg gebracht wurden, wo ich auch ein bisschen was beitragen konnte. Ich hoffe, dass der Weg, den man damals eingeschlagen hat, konsequent weiterverfolgt wird. Stichwort Vision 2020!

Alles andere werde ich meinen Mädels, meinem Trainerteam, den Eltern und weiteren Personen, die uns die letzten 5 Jahre mit dieser Mannschaft bzw. 7 Jahre im Verein begleitet haben, persönlich mitteilen.“

 

Vielen Dank für dieses Gespräch und die Innenansichten ... Wir wünschen Euch ganz viel Erfolg für die letzten drei Spiele der Saison!

 

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